Das Herz ist voll, uns brummt der Schädel und die Tage sind einfach zu kurz. Schon ist der erste Monat halb um, während bei uns wieder sämtliche Bären ihre wilden Rhythmen steppen. Nicht mehr im Schnee, dafür im Matsch. Winter eben! Mit schlimmsten Folgen für Streuner und alle Freiland-Tiere in Osteuropa. Extrem hart für alle ohne Unterfell!
In Bulgarien schließt ein privater Shelter aus Altersgründen. Das schmerzt, denn jede Notaufnahme rettet die dort überall gefährdeten Tiere. Ivanka kann nicht mehr und muss mit 70 Jahren und diversen Krankheiten aufgeben. Aber sie hat noch viele ihrer Hunde und Katzen mit Hilfe deutscher Freunde gut unterbringen können. Vor allem kleine und junge. Neun sind noch übrig, 3-4 Jahre, zwischen 50 und 60 cm groß, Traumhunde, die überall hinpassen, weil sie bereits vieles kennen, weil sie kinder- und katzenfreundlich sind. Sogar ideal für Anfänger. Wir basteln an Lösungen!

Auf Zuhause-Suche: Hunde aus dem geschlossenen Shelter
Jahresabschluss und wir hinken ziemlich hinterher. Da ist Verständnis gefragt. Doch Tierleben und Rettungsaktionen haben Vorrang. Auch unsere frisch befreiten Senioren. Ein echter fulltime-Job, aber total beglückend. Wer das jemals erlebt hat, wird reich beschenkt. Wenn diese armen, unschuldigen Langzeit-Insassen verwahrlost, vernarbt hier ankommen, sich von der verhassten Menschenhand nicht anfassen lassen, bei Berührungsversuchen mit letzter Würde leise knurren, sich stinkend und ächzend in die äußerste Ecke legen… das löst eine ganze Gefühls-Skala aus. Bei uns dauert es Tage, bis sich was tut, während Pflegestellen das schon nach 24 Stunden schaffen. Kleine Familien mit 1-2 Hunden sind dafür ideal. Aber auch bei uns ist das Rudel der beste Therapeut. Angst und Grauen lösen nur wir Menschen bei den Ankömmlingen aus, den Artgenossen vertrauen sie, orientieren sich an ihnen, machen sie nach. „Oje, die haben keine Angst und lassen sich von den fiesen Zweibeinern anfassen“, wodurch sie nach einer Weile Futter aus der Hand nehmen, aber sonst vorsichtig bleiben. Man braucht auf einem Schutzhof einfach mehr Zeit als in der Familie und es bleibt spannend. Der große Erfolg mit dem kranken, apathischen 14jährigen ALDO, der sich völlig aufgegeben hatte und dem wir vor dem Tod einmal Liebe, Fürsorge, Freiheit schenken wollten, hat uns mutiger gemacht. Trotz seiner Arthrose, mehr als 200 Schrotkugeln und den Narben am Körper hat Aldo eine Lebensfreude entwickelt, die uns umhaut. Und nun hilft er sogar dem völlig verängstigten GORAN zum selben Erfolg. Langsam, aber stetig.
Anfragen fremder Menschen nach Aufnahme einer alten Katze, eines alten Hundes häufen sich. Bevor die Verantwortlichen sie ins Tierheim bringen, beruhigen sie ihr Gewissen, indem sie uns anrufen. Das Tierheim-Personal geht damit meistens sehr gelassen um, kritisiert nicht und kümmert sich um das arme Geschöpf, das nach Jahren nun im Alter stört und „weg muss“. Manche wurden als Spielzeug für die Kinder angeschafft. Sind die aus dem Haus, wird auch das Tier nicht mehr gebraucht. Und das in Deutschland, einer Nation von Tierliebenden. Wir reagieren jedenfalls nicht so sanft.

Goran vorsichtig, aber streicheln erlaubt Calypso bei den Hunde-Therapeuten



