Herkules-Henry

Es waren einmal zwei kleine, gejagte, misshandelte Hunde, die zusammen in die Tötungsstation geschleift wurden. Ich, Lorna, war scheu, aber mein Freund erst recht. Alida nannte ihn Herkules, um ihm Mut zu machen und zu signalisieren: Die üblen Zeiten sind endgültig vorbei. Aber irgendwie haben wir uns mit der Zeit nicht mehr so doll gebraucht. Jedenfalls kam ich nach Bremen zu Karin und ihrer Familie mit Kind, Katze, Bulldogge. Ein echter Glücksgriff für mich, auch wenn ich aus altem Hunger noch viel anknabbere. Doch ich werde mich bessern. Ich heiße nicht mehr Herkules, sondern Henry. Und meine Pflegestelle war so begeistert, dass sie mich adoptiert hat. Darum führe ich nun ein Traumleben bei Monika, Hans-Jürgen und Amira, bringe Herrchen morgens die Zeitung, in der ich die bad news gleich überblättere. Das weiß Herrchen zu schätzen. Von einem Trauma ist nichts mehr zu spüren – ich bin lustig, offen, schmusig, gelehrig; kurz gesagt: Ein Traumhund. Nur Amira wird etwas sauer, weil sie noch ein wenig scheu ist und ich mich gern in die erste Reihe drängele. Doch wir arrangieren uns (wenn sie in der zweiten bleibt).

Musette-Mira
Don Levi