Als Halbitalienerin fühlte ich mich bereits in meiner Kindheit dem Himmel oft so nah wie der Hölle, sah manches anders als gleichaltrige Freunde, konnte aber auch schon mit 5 Jahren lesen und schreiben, sodass ich immer die Klassen-Jüngste war –mit ziemlich rebellischen Ansätzen. Durch meine erdigen Großeltern bekam ich früh ein Gefühl zu Tieren, zur Natur und zu älteren Menschen, denn diese zwei liebte ich von ganzem Herzen, in dem sie bis heute fest verankert sind. Sicher war das alles mit der Grundstein, nicht nur Journalistin zu werden, sondern auch einige Jahrzehnte Tierschutz auszuhalten.

Wer aktiv im Tierschutz arbeitet, sieht viel Leid, muss Kummer ertragen, ständig an sich arbeiten (an Ohnmacht, Wut, Grenzen, Vorsicht), kann aber auch häufig vor Freude jubeln. Jedes gerettete Leben, jede sichere Zukunft löst Luftsprünge aus (sch… auf Arthrose). Und wenn man -wie wir- die Tiere selbst befreit, rausholt, aufpäppelt, das richtige Zuhause für sie sucht… dann stellt man große Nähe her. Die Vorgeschichte, die Rettung und die Pflegezeit verbinden uns dauerhaft mit „unseren“ Vierbeinern. Da schmerzt jeder Abschied, egal, wie lange unsere Freunde schon bei ihren Familien leben. Ich hab‘ dafür mein „Gedenk-Eckchen“ mit dem jeweiligen Foto und der großen Kerze, den stillen Moment nur für „mein Tier und mich“, an dem ich von der ersten Begegnung bis zur letzten auf unsere spezielle Gedankenreise gehe und eine friedliche Ruhe wünsche. Obwohl so mancher Hund drauf pfeift und mir gewohnt frech von seiner Wolke zuzwinkert.
Unsere NINA lebt nicht mehr, diese Woche ist OTTO gestorben, gestern FIETE. Alle hatten ein langes Leben und wurden geliebt. Wir trauern mit ihren Familien um Otto und Fiete, und sind dankbar, dass Nina nach all ihrem Pech bei uns noch eine gute Zeit hatte (bald unter „Abschied“).
Dicht neben dieser Traurigkeit pocht ein anderes Leben: Eingesperrte, verängstigte, hungernde, verletzte, misshandelte … leidende Tiere. Hilflose Opfer menschlicher Fehlentwicklung. Auch diese tapferen Geschöpfe brauchen uns und wenigstens eine Chance. Denn genauso sieht sie aus, unsere ermüdende Tierschutz-Routine: Wiederholung, vertraute Abläufe. Und doch nie dasselbe, denn es geht um Leben oder Tod, um individuelle Charaktere, um einzelne Schicksale. Kooperation ist wichtig, Zusammenarbeit mit aktiven, ähnlich denkenden und fühlenden Menschen. Darum haben wir diese Seile noch stärker verknüpft und werden hier über die diversen Aktionen berichten. Doch die Basis mit entsprechenden Informationen findet ihr unter der neuen Rubrik „Weitere Schutzhöfe“. Das bedeutet Zukunft. Und wie immer freuen wir uns auf eure Reaktionen.

„Zu spät“ von Alida Gundlach – Album „ZEIT“



